Weisheit meidet das Böse
Der Weise ist vorsichtig und weicht dem Bösen aus, aber der Tor ist übermütig und fühlt sich sicher. Schon dieser Spruch zeigt, dass der Unterschied zwischen Weisheit und Torheit nicht zuerst im Können, Wissen oder Fleiß liegt, sondern in der Haltung des Herzens. Der Weise vertraut nicht auf sich selbst, sondern auf Gott. Darum prüft er seine Wege, weicht dem Bösen aus und sucht das Gute. Der Tor dagegen fühlt sich sicher, obwohl er auf einem gefährlichen Weg geht. Die nachfolgenden Stellen zeigen, dass wahre Weisheit in der Unterordnung unter Gott besteht, während Übermut den Menschen leicht auf Abwege führt. Vgl. Spr. 3,5-7; 4,14-15; Hiob 28,28; Am. 5,14-15.
Sprüche 3,5-7 Vertraue auf Jahwe mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen Verstand. 6Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade. 7Sei nicht weise in deinen Augen, fürchte Jahwe und weiche vom Bösen:
Sprüche 4,14-15 Komm nicht auf den Pfad der Gesetzlosen, und schreite nicht einher auf dem Wege der Bösen. 15Laß ihn fahren, geh nicht darauf; wende dich von ihm ab und geh vorbei.
Hiob 28,28 Und zu dem Menschen sprach er: Siehe, die Furcht des Herrn ist Weisheit, und vom Bösen weichen ist Verstand.
Amos 5,14-15 Trachtet nach dem Guten und nicht nach dem Bösen, auf daß ihr lebet; und Jahwe, der Gott der Heerscharen, wird also mit euch sein, wie ihr saget. 15Hasset das Böse und liebet das Gute, und richtet das Recht auf im Tore; vielleicht wird Jahwe, der Gott der Heerscharen, dem Überrest Josephs gnädig sein.
Hebräischer Text vokalisiert
Sprüche 14,16
חָכָ֣ם יָ֭רֵא וְסָ֣ר מֵרָ֑ע וּ֝כְסִ֗יל מִתְעַבֵּ֥ר וּבֹוטֵֽחַ׃
Mögliche Übersetzung
Sprüche 14,16
Der Weise ist vorsichtig und weicht dem Bösen aus, aber der Tor ist übermütig und fühlt sich sicher.
Fußnoten
Das Objekt ist im zweiten Teil elliptisch. Es handelt sich um einen antithetischen Parallelismus. Das Prädikat ist jeweils durch die Konjunktion synthetisch zweiteilig. Vgl. Spr. 3,5-7; Spr. 4,14-15; Am. 5,14-15.
Eine Textcollage zu Spr. 14,16
Wahre Weisheit beginnt damit, den Herrn zu fürchten und vom Bösen zu weichen (Hiob 28,28). Wer auf den Herrn vertraut und sich nicht auf seinen eigenen Verstand stützt, wird seine Pfade nicht auf den Weg der Gottlosen setzen noch den Pfad der Bösen betreten (Spr. 3,5-7; 4,14-15). Der Unterschied liegt nicht zuerst in den Fähigkeiten des Menschen, sondern in seiner Gesinnung. Der Weise hört auf Gott, der Tor vertraut sich selbst.
Darum weicht der Weise vom Bösen und jagt dem Frieden nach (Ps. 34,15). Er hält sich von jeder Gestalt des Bösen fern (1. Thess. 5,22), weicht vom Bösen und tut Gutes (Ps. 37,27). Er sucht die Gemeinschaft derer, die Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden nachjagen (2. Tim. 2,22). Das Gute hängt an ihm fest, während er das Böse verabscheut (Röm. 12,9). Wer aus Gott geboren ist, bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an (1. Joh. 5,18).
Der Weise ist nüchtern und wachsam. Er unterwirft sich Gott und gibt dem Teufel keinen Raum (Eph. 4,27). Er weiß, dass sein Widersacher wie ein brüllender Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann (1. Petr. 5,8-9). Deshalb widersteht er ihm fest im Glauben. Wer sich Gott unterwirft und dem Teufel widersteht, erlebt, dass dieser flieht (Jak. 4,7). Nicht menschlicher Fleiß ist die Grundlage des Sieges, sondern die Unterordnung unter Gott.
Auch in Versuchungen bleibt der Weise nicht sich selbst überlassen. Gott ist treu und lässt nicht zu, dass wir über unser Vermögen versucht werden, sondern schafft mit der Versuchung auch den Ausgang (1. Kor. 10,13). Wir wissen auch, dass Gott selbst nicht versucht (Jak 1,13). Deshalb hassen die, welche den Herrn lieben, das Böse (Ps. 97,10). Sie lassen sich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinden das Böse mit dem Guten (Röm. 12,21). Der Herr Jesus hat dies vollkommen vorgelebt. Als Satan ihn in der Wüste versuchte, widerstand er jedem Angriff mit dem Wort Gottes, bis der Versucher von ihm wich (Mt. 4,1-11; Jak. 4,7).
Der Maßstab allen Guten ist nicht der Mensch, sondern der Herr Jesus selbst. Einer allein ist gut. Er ist Gott (Jes. 7,15-16; Mt. 19,17; Mk. 10,17-18; Lk. 18,19). Der Herr ist gut und aufrichtig (Ps. 25,8), der Herr ist gut, seine Güte währt ewig (Ps. 100,5), und jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab (Jak. 1,17). Wenn wir das Gute suchen, lässt sich der Herr Jesus finden. Ihm können wir vertrauen; er ist eine Zuflucht am Tag der Bedrängnis und kennt die, welche auf ihn vertrauen (Nah. 1,7).
Außer ihm ist kein Mensch gut. Da ist kein Gerechter, auch nicht einer (Röm. 3,10-12); kein Mensch auf der Erde tut nur Gutes und sündigt nicht (Pred. 7,20). Gut und wohltätig ist allein der Herr (Ps. 119,68). Deshalb sind alle Menschen auf seine Gnade angewiesen. Sowohl das Wollen als auch das Wirken kommt letztlich von Gott (Phil. 2,13). Wahre Weisheit besteht daher nicht darin, auf die eigene Kraft zu bauen, sondern auf den Herrn zu vertrauen, vom Bösen zu weichen und in seiner Kraft zu leben.