1Und die ganze Erde hatte eine Sprache und einerlei Worte. 2Und es geschah, als sie nach Osten zogen, da fanden sie eine Ebene im Lande Sinear und wohnten daselbst. 3Und sie sprachen einer zum anderen: Wohlan, laßt uns Ziegel streichen und hart brennen! Und der Ziegel diente ihnen als Stein, und das Erdharz diente ihnen als Mörtel. 4Und sie sprachen: Wohlan, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze an den Himmel reiche, und machen wir uns einen Namen, daß wir nicht zerstreut werden über die ganze Erde! 5Und Jahwe fuhr hernieder, die Stadt und den Turm zu sehen, welche die Menschenkinder bauten. 6Und Jahwe sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache, und dies haben sie angefangen zu tun; und nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen. 7Wohlan, laßt uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß sie einer des anderen Sprache nicht verstehen! 8Und Jahwe zerstreute sie von dannen über die ganze Erde; und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. 9Darum gab man ihr den Namen Babel; denn daselbst verwirrte Jahwe die Sprache der ganzen Erde, und von dannen zerstreute sie Jahwe über die ganze Erde.
Leitvers: Matthäus 23,12 – „Wer irgend aber sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer irgend sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.“
Die Menschen zogen in die Ebene Sinear (Vgl. Nimrod, 1. Mose 10,10). Die Richtung nach Osten steht biblisch oft für die Entfernung von Gottes Gegenwart (Vgl. 1. Mose 3,24).
Zu dieser Zeit hatte die gesamte Menschheit noch eine einzige Sprache und einen gemeinsamen Ursprung (Vers 1).
Das Motiv: Ihr Ziel war es, Gottes Plan (die Erde zu bevölkern) zu durchkreuzen, indem sie sich eigenmächtig an einem einzigen Ort zusammenschlossen (Vgl. Psalm 10,4).
Die Worte „uns“ und „wir“ verdeutlichen, dass menschlicher Stolz und Eigenwillen ohne Gott agierten – ein Ausdruck der natürlichen Rebellion des Menschenherzens (Vgl. Römer 8,7–8).
Der Plan: Sie wollten einen Turm bauen, der sie unabhängig von Gott macht.
Der moderne Turm: Die weltliche Zivilisation, die menschliche Macht und Weisheit feiert, aber Gott vergisst (Vgl. Lukas 12,16–21).
Der künftige Turm: Die endzeitliche gottlose Zusammenballung aller Kräfte (Vgl. Offenbarung 13,16–18).
Göttliche Einigkeit („Laßt uns“, Vers 5–7): Wie schon bei der Erschaffung zeigt sich hier im Ratschluss der Dreieinheit Gottes vollkommene Einheit (Vgl. 1. Mose 1,26).
Gottes Augen (Vers 5): Nichts bleibt vor dem allwissenden Gott verborgen (Vgl. Hebräer 4,13).
Gottes Urteil (Vers 8):
Die Sprachverwirrung (Gericht): Gott zerstreute die Völker über die ganze Erde, indem er ihre Sprachen verwirrte (1. Mose 11,7–9).
Die Spracheneinheit (Gnade): An Pfingsten überwand Gott die Sprachgrenzen durch den Heiligen Geist, damit alle Menschen das Evangelium hören (Apostelgeschichte 2,1–12).
Die Harmonie der Zukunft (Ehrung): In der himmlischen Herrlichkeit werden Menschen aus allen Stämmen, Sprachen und Nationen in perfekter Harmonie vereint sein, um den Herrn zu loben (Vgl. Offenbarung 5,9).