Der Prophet Jesaja
Verfasser: Jesaja
Thema: Der Messias Israels
Datum der Niederschrift: 8. Jh. v.Chr.
Jesaja, dessen Name Heil Jahwe, Heil des Herrn bzw. Rettung des EWIGEN (hebräisch: יְשַׁעְיָהוּ, Jəšaʿjā́hû) bedeutet, ist der größte unter den schreibenden Propheten. Der Name kommt 16-mal vor (Jes 1,1; 2,1; 7,3; 13,1;20,2.3; 37,2.5.6.21; 38,1.4.21; 39,3.5.8); vgl. das sehr häufige Vorkommen der Wörter: retten, Rettung, Retter (Heil, Heiland). Er richtete sein Amt in Juda während der Regierung von vier Königen aus, zur Zeit der Könige Ussija, Jotham, Ahas und Hiski wahrscheinlich von 740 bis 680 v.Chr., also in einem Zeitraum von etwa sechzig Jahren. In dieser Zeit wurde Samaria von den Assyrern eingenommen und Israel weggeführt, ca. 722 bis 721 v.Chr., und Juda wurde 701 v.Chr. von Sanherib überfallen. Die Zeit war die Blütezeit der assyrischen Weltherrschaft.
In der jüdischen Antike war man sich einig, dass das gesamte biblische Buch Jesaja von einem einzigen Verfasser stammt. Die liberale Theologie bestreitet diese Einheit jedoch aus einem bestimmten Grund:
Im Text wird der persische König Kyros namentlich erwähnt und vorausgesagt, obwohl er erst rund 200 Jahre später lebte (Jesaja 44,28 – 45,7). Da die liberale Theologie davon ausgeht, dass echte Vorhersagen der Zukunft unmöglich sind, schließt sie daraus, dass diese Passagen erst nach den Ereignissen geschrieben worden sein müssen.
Deshalb wird das Buch heute in drei verschiedene Abschnitte (und damit Autoren bzw. Verfasserkreise) unterteilt:
Jesaja 1–13 (Der erste Teil)
Jesaja 40–55 (Der zweite Teil, der die Kyros-Texte enthält)
Jesaja 56–66 (Der dritte Teil)
Zeugnis des NT: Jes 6,10: „Jesaja hat gesagt“ (Joh 12,39.40); Jes 53,1: „Wort Jesajas“ (Joh 12,38); Jes 65,1: „Jesaja erkühnt sich“: Röm 10,20
Jesaja war mit einer Prophetin verheiratet (Jes 8,3). Zwei Söhne mit prophetischen Namen: „Sche’ar Jaschuv“ (= ein Überrest wird umkehren): Jes 7,3; „Maher Schalal Chaz Baz“ (= es eilt der Raub, bald kommt die Beute): Jes 8,3
Nach jüdischer Tradition wurde Jesaja unter König Manasse zersägt (Heb 11,37).
Handschriften in Qumran
21 Handschriften von Jesaja
Höhle I: 2; Höhle IV: 18; Höhle V: 1
Datierung: von 125 v. Chr. (1QIsaa) – 60 n. Chr. (4QIsac).
1QIsaa (125 v. Chr.): vollständig, alle 66 Kapitel (inkl. Jes 53!); Länge: 7,32 m; Höhe: 29,9 cm; Orthographie etwas modernisiert durch Andeutung von Vokalen durch Konsonanten; 17 zusammengenähte Ziegenhäute; erste Zeile von Kapitel 40 beginnt als letzte Zeile in der Kolumne des Textes von Kapitel 39; Jes 52,13 beginnt als erste Zeile einer neuen Kolumne.
1QIsab: = protomasoretischer Text.
Die Themen, über die Jesaja redet, reichen zurück bis zum ewigen Ratschluss Gottes und der Erschaffung des Weltalls (z.B. Jes 42,5) und schauen voraus bis zu der Zeit, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird (Jes 65,17; 66,22). Kein anderer Prophet hat mit einer so gewaltigen Beredsamkeit von der Herrlichkeit Gottes geschrieben (siehe Kap. 40). Alle Nationen der Erde überschaut Jesaja in seinen Prophetien (z.B. Jes 2,4; 5,26; 14,6.26; 40,15.17.22; 66,18).
Im Buch des Jesaja sind viele wichtige prophetische Worte über Jerusalem enthalten (das mit mehr als dreißig verschiedenen Namen benannt wird), ebenso wichtige Voraussagen über Israel, Juda und die Nationen der Erde, aber vor allem die großen messianischen Prophetien, in denen vorhergesagt wird: die Geburt Christi (7,14; 9,5), seine Gottheit (9,5.6), sein Amt (8,23; 9,1; 42,1-7; 61,1.2), sein Tod (52,1-53,12), seine zukünftige tausendjährige Herrschaft (z.B. Kap. 2; 11; 65).
Von allen Propheten des AT ist Jesaja am verständlichsten; keiner der Propheten ist mehr mit dem Erlösungswerk Christi beschäftigt als er. In keinem anderen Teil der Heiligen Schrift, die unter dem Gesetz geschrieben wurde, findet sich eine so klare Schau für die Gnade.
Besonderheiten und charakteristische Ausdrücke
Jesaja ist das im Neuen Testament am meisten zitierte Buch
25x: „Der Heilige Israels“ (1,4; 5,19.24; (10,17: sein Heiliger); 10,20; 12,6; 17,7; 29,19; (29,23: der Heilige Jakobs); 30,11.12.15; 31,1; 37,23; 41,14.16.20; 43,3.14; (43,28: euer Heiliger); 45,11; 47,4; 48,17; 49,7; (49,7: sein Heiliger); 54,5; 55,5; 60,9.14)
7 ewige Dinge: Freude (35,10; 51,11; 61,7); ewiger Bund (24,5; 55,3; 61,8); ewige Gluten (33,14); ewiges Denkzeichen (55,13); ewiger Name (56,5; 63,12); ewiger Stolz (60,15); ewiges Licht (60,19.20).
Die Vision der Herrlichkeit Jahwes (Jesaja 6). Gemäß Joh 12,41: Jesaja sah die Herrlichkeit des Sohnes Gottes!.
Die Verblendung Israels (Jes 6,10); vgl. Röm 9–11
Die ständige jüdische Präsenz im Land (Jes 6,10–13)
Die Rückkehr der Juden aus: Nord- und Süd-Irak, Ober- und Unterägypten, Sudan und Äthiopien, Persien, Syrien, Europa (Jes 11,11) und China (Jes 49,12)
Die jüdische Rückkehr durch die Luft (Jes 60,8)
Der Messias: die Jungenfrauengeburt (Jes 7,14); der Stein des Anstoßes (Jes 8,13-15); das Licht im Land des Todesschattens (Jes 9,1ff); der Spross aus dem Stumpfe Isais (Jes 11,1ff); Heilung der Kranken (Jes 35,4-6); der Vorläufer in der Wüste (Jes 40,3-5); der gute Hirte (Jes 40,9-11); der Gott wohlgefällige Knecht (Jes 42,1-9); der Knecht als Licht der Nationen (Jes 49,1-13); der misshandelte Gottesknecht (Jes 50,4-9); der leidende Gottesknecht (Jes 52,13-52,12); die frohe Botschaft des Messias (Jes 61,1.2)
Praktische Lehren
Das Zentrum der Heilsgeschichte ist der Messias.
Der tiefe Eindruck der Heiligkeit und der Herrlichkeit Jahwes ist die Grundlage für einen gesegneten Dienst (Kapitel 6).
Gott setzt in seiner Souveränität das Maß des Glaubens fest (Röm 12,3).
Das Buch kann wie folgt eingeteilt werden:
I. Prophetische Reden über Juda, Kapitel 1–12
II. Prophetische Reden über die Nationen, Kapitel 13–27
III. Prophetische Warnungen an Ephraim und Juda, Kapitel 28–35
IV. Geschichtlicher Einschub: Sanheribs Überfälle und die Krankheit des Hiskia, Kapitel 36–39
V. Die Größe und Erhabenheit Gottes, Kapitel 40–48
VI. Der leidende Knecht des Herrn, Kapitel 49–57
VII. Abschließende Ermahnungen und Prophezeiungen, Kapitel 58–66