WdBl
Der Autor ist der Apostel Paulus (1,1; 16,21);
Der Mitabsender ist Sosthenes (1,1).
Zeit der Abfassung: Frühjahr 54 n. Chr.
Abfassungsort: Ephesus (16,8.9)
Es gibt verschiedene Anlässe zum Schreiben dieses ersten Briefes an die Korinther:
Die Hausgenossen der Chloe haben Paulus über Spaltungen in der Gemeinde informiert (1,11). Die Korinther haben Paulus einen Brief mit konkreten Fragen bezüglich Ehe, Ehelosigkeit, Scheidung (7,1) und Götzenopfer (8,1) geschrieben.
Missstände in der Gemeinde:
Spaltungen (1,10ff.; 3,4; 11,18.19);
Eifersüchteleien und Streit (3,3);
Liebäugeln mit der Weisheit der Welt (1,18ff.);
Kritik an den verborgenen Gesinnung des Apostels Paulus (4,3‒5);
ein Fall von schwerer Unzucht (5);
fehlende Gemeindezucht (5);
Rechtshändel unter Geschwistern (6,4‒7);
Unklarheiten bezüglich Ehe, Scheidung, Ehelosigkeit und dergleichen (7);
Unklarheit im Zusammenhang mit Götzenopfern (8 und 10);
Angriffe auf die apostolische Autorität des Paulus (9);
Unwürdige Behandlung des Abendmahls (11,20‒34);
Verwirrung bezüglich des Wirkens des Heiligen Geistes (12‒14);
Unordnung im Ablauf der Gemeindestunden (14,26‒33);
Reden der Frauen in der Gemeinde (14,34‒40);
einige Korinther leugneten die Auferstehung (15,12).
Die Missstände nahmen weiter zu (11,17).
Obwohl dieser Brief vor allem örtliche Schwierigkeiten behandelt, richtet er sich ausdrücklich an alle Gemeinden auf der ganzen Welt (1,2). Die apostolische Lehre des Paulus hatte weltweit in allen Gemeinden Gültigkeit (1,2; 4,17; 11,16; 14,33).
Einteilung des Briefes
1. Einführung und Danksagung (1,1–9)
2. Parteiungen und das Kreuz Christi (1,10–2,5)
3. Die Weisheit Gottes und der Geist Gottes (2,6–16)
4. Der Diener Gottes und sein Dienst (3,1–4,21)
5. Zucht in der Gemeinde (5,1–6,11)
6. Die Ehe (6,12–7,40)
7. Götzenopfer (8)
8. Die Rechte und der Einsatz eines Apostels (9)
9. Warnung vor Abfall (10,1–13)
10. Der Tisch des Herrn (10,14–22)
11. Alles zur Herrlichkeit Gottes (10,23–33)
12. Kopfbedeckung und Haartracht (11,1–16)
13. Das Mahl des Herrn (11,17–34)
14. Die Gnadengaben (12,1–31)
15. Die Liebe (13)
16. Die Gaben in der Zusammenkunft (14)
17. Die Auferstehung (15)
18. Sammlung, Reisepläne und letzte Ermahnungen (16,1–18)
19. Grüße (16,19–24)
1. Die Stadt
Korinth war die Hauptstadt der römischen Provinz Achaja. Sie lag an der schmalen Landenge zwischen dem Korinthischen Golf und dem Saronischen Golf. Ihr strategischer Standort am Isthmus von Korinth machte sie zu einem Platz, an dem sich alle Handelsrouten trafen. Auch Paulus erschien sie als ein ideales Zentrum, von dem aus sich das Evangelium verbreiten konnte.
Geschäftlich: Wegen seiner günstigen Lage wurde Korinth zu einem der größten Handels- und Geschäftszentren seiner Zeit. Aller Verkehr vom Norden Griechenlands nach dem Süden musste Korinth passieren und ebenso viel Verkehr von Ost nach West. So wurde Korinth sehr wohlhabend und erwarb sich großes Ansehen. Seine Einwohnerzahl wurde auf 500.000 bis 700.000 geschätzt. Die Isthmischen Spiele, die in ihrer Bedeutung gleich nach den Olympischen Spielen kamen, wurden dort abgehalten. Korinth war reich, es hatte viele Einwohner, die sich alle als Weltbürger verstanden.
Moralisch: Korinth war eine sehr lasterhafte Stadt, bekannt für ihr übles und unmoralisches Treiben. Der Ausdruck »korinthisieren« bezeichnete ein Leben in Trunkenheit und unsittlicher Ausschweifung. Eine besondere Quelle des Bösen war der Tempel der Aphrodite. Es wird gesagt, dass 1000 Tempeldirnen – sakrale Prostituierte, oder Vestalinnen – zum Tempel gehörten. Der Geschlechtsakt wurde als ein Akt der Hingabe und Weihe an die Gottheit verstanden. Korinth wurde zum Synonym für Reichtum und Luxus, Trunkenheit und Ausschweifung, für alle Arten des Bösen und Schmutzigen. Es war das Sodom seiner Tage.
Bevölkerung: Nach Kapitel 1 gab es Juden und Heiden in der Stadt. Apg 18,4 bemerkt, dass die Stadt sich einer jüdischen Synagoge rühmte, was eine ziemlich große jüdische Bevölkerung voraussetzt. Wegen der Existenz eines heidnischen Tempels muss es auch eine sehr große eingeborene griechische Bevölkerung gegeben haben. Das römische Element wird in den lateinischen Namen offenbar, die im Zusammenhang mit der Gemeinde erwähnt werden, wie Gajus, Crispus, Justus, Fortunatus und Achaikus. Gemäß 1,26-29 lebten in Korinth Intellektuelle, Einflussreiche, Aristokraten, Arme, Sklaven, Ungebildete. Und Gott wählte die unglaublichsten und am wenigsten versprechenden Leute aus, um in ihnen seine Gnade und Macht sichtbar werden zu lassen.