Bibelvers (1. Korinther 14,2): „Denn wer in einer (fremden) Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse.“
1. Der historische Hintergrund der urchristlichen Gemeinde
In der Anfangszeit der christlichen Gemeinde hat Gott unmittelbar durch Menschen – durch sogenannte Personalgaben (wie Apostel und Propheten laut Epheser 4,11) – zu den Gläubigen geredet.
Diese Ämter bzw. Gaben waren von Gott geschenkte Hilfen zum Aufbau der Gemeinde.
2. Das Ende dieser Übergangszeit
Nachdem diese ersten „Personalgaben“ im Laufe der Zeit nicht mehr da waren, hörten auch diese besonderen Gnadengaben (wie das Sprachenreden) auf (vgl. dazu auch den Hinweis auf die Zeichen eines Apostels in 2. Korinther 12,12).
3. Die Bedeutung des Sprachenredens
Das Phänomen des Sprachenredens in 1. Korinther 14,2 hatte eine ganz spezielle Funktion:
Es war ein Gerichtszeichen Gottes an das Volk Israel (wie in 1. Korinther 14,21–23 beschrieben).
Dieses Zeichen galt so lange, bis das Neue Testament vollständig vorhanden war – zunächst durch mündliche Weitergabe (Apostel) und schließlich niedergeschrieben als feste Heilige Schrift.
4. Was sind die in 1. Korinther 14,2 erwähnten „Geheimnisse“?
Die dort genannten „Geheimnisse“, die im Geist geredet wurden, waren konkrete göttliche Offenbarungen, die vor allem das Heilshandeln an Israel betrafen (so wie es später beispielsweise im Römerbrief, Kapitel 9 bis 11, beschrieben wird).
Zu dem Zeitpunkt, als Paulus den Korintherbrief schrieb, lagen diese Zusammenhänge den Korinthern noch nicht in schriftlicher Form vor, wie wir sie heute komplett besitzen.
5. Fazit für das Bibelstudium
Um solche Bibelstellen richtig zu verstehen, ist es hilfreich:
Die Inhalte der Apostelbriefe miteinander zu vergleichen.
Immer den zeitlichen Ablauf der Apostelgeschichte im Hintergrund zu behalten, um zu sehen, wann und zu wem in der Heilsgeschichte gesprochen wurde.